Die Hingabe als Schlüssel zur

Verwirklichung unserer wahren Essenz

Eines Tages wurde ich gefragt, ob es für mich ein Ankommen gibt. Meiner Auffassung entsprechend gibt es kein Ankommen nach dem Ankommen, nur ein ständiges sich immer mehr Vertiefen im ewigen absoluten Sein, immer mehr Verschmelzen mit der allumfassenden Realität in Reinheit, Stille und Klarheit.

Nach dem Erkennen der Wahrheit wird innerhalb des Bruchteils einer Sekunde glasklar, dass man als ein von Gott getrenntes Wesen niemals existieren konnte, dass man nicht existiert und niemals ein eigenes Leben hatte. Dennoch kehren die alten Konditionierungen irgendwann zurück, um transformiert zu werden. Die Konfrontation mit alten Mustern ist dadurch unumgänglich.

Und somit geht man auch nach dem Erwachen noch durch Freud und Leid, da die alten Anhaftungen noch nicht aufgelöst wurden, sondern im Körper-Geist-System vorhanden sind, wenngleich sie sich auf niemanden mehr beziehen.

Die innere Freiheit, nach der sich der Mensch so sehr sehnt, und die er seit Ewigkeiten sucht, ist die Freiheit von der eigenen Konditionierung und von seinem Denken. So ist der Weg zur Selbstverwirklichung ein friedvoller Kampf gegen menschliche Gewohnheiten, gegen das, was man nicht mag, aber auch gleichzeitig gegen das, was man zu sehr liebt, denn darin ist man verhaftet.

Erst die Hingabe an das Sein, wie es sich in jedem Augenblick entfaltet, und das Handeln gegen unsere Zwänge gibt uns die Möglichkeit, aus der „falschen Persönlichkeit“ auszusteigen. Erst dann, wenn die Wesensanteile und Aspekte des „falschen Ich“ losgelassen wurden, kann die wahre Essenz lebendig zum Vorschein kommen.

Durch die innere Akzeptanz und durch das Annehmen dessen, was ist, geschieht das Auflösen der Wünsche und das Aufgeben der alten Konzepte und Strukturen. Dem ewigen absoluten Sein zu folgen und nicht den eigenen Zwängen, und das eine von dem anderen zu unterscheiden, ist ein wichtiger Lernprozess auf dem spirituellen Pfad.  

Die Illusion stellt uns immer wieder Fallen und daher sind Unterscheidungsfähigkeit, Achtsamkeit und Klarheit notwendige Attribute, um das Falsche überhaupt erst erkennen zu können und um dieses dann ganz bewusst schrittweise aufzulösen. Dieses Erkennen kann nur aus einem anderen Blickwinkel heraus geschehen, aus einer höheren Sichtweise, und die Umsetzung erfordert sehr viel Mut und Entschlossenheit. Nur dies lässt uns zu unserem wahren Kern vordringen. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man erkannt hat, dass die Freiheit von jeglicher Identifizierung die erste und EINZIG SINNVOLLE Priorität im Leben jedes erwachenden Menschen SEIN MUSS.

Im Alltag vertieft sich weiterhin das innere Verstehen, dass das Leben eine Projektion des Bewusstseins ist; sämtliche Gedanken, Gefühle und Handlungen werden auf alle Körper-Geist-Systeme projiziert. So ist es nicht mehr möglich, die anderen für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen, denn alles, was geschieht, ist lediglich die Projektion des Bewusstseins auf das System. In diesem Zusammenhang wird deutlich, wie wichtig das Verzeihen für die Erlösung des aus der Vergangenheit gespeicherten Schmerzes ist. Das Verzeihen ist die Bedingung für das Entbinden aus den alten Anhaftungen. In diesem Verständnis innerhalb der Vertiefungsprozesse stellen sich Achtsamkeit und Dankbarkeit ein für alle Situationen und Umstände, mit deren Hilfe reflektiert werden kann, wo noch ein Reagieren stattfindet.  

 

Lehre - Hingabe - Seite 2 -

Nachdem der Geist seine Klarheit erreicht hat, ist es an der Zeit, das Bewusstsein im Körper umzuwandeln, die Kraft des alleinigen gegenwärtigen Seins in jede Zelle zu ergießen und zu verankern. Ein endgültiges Verstehen der Wahrheit und ihre lebendige Umsetzung sind nur über eine alchimistische Umwandlung, über einen Prozess der biologischen Mutation des gesamten Organismus erreichbar. Das vormals auf Individualität eingestellte Nervensystem wird während eines jahrelangen Prozesses auf eine Verschiebung der Realität, bzw. auf eine neue Realität ohne einen individuellen Bezugspunkt, eingestellt. Mit dem Verlust des individuellen Bezugspunktes muss der Körper zunächst einmal klarkommen. Die alten Werte müssen zusammenbrechen und dem Neuen weichen; der Körper muss verstehen lernen, dass es absolut keinen Bezugspunkt mehr gibt, und dass es diesen in Wirklichkeit niemals gegeben hat.

Die alte Struktur des Handelns aus der Vergangenheit wird verabschiedet und zwar dadurch, dass die ganzen Spannungen, welche die Ich-Haftigkeit in Form einer Persönlichkeit darstellen, im Körper Schritt für Schritt aufgelöst werden. So, wie sich die Spannungen im Körper äußern, kann deutlich wahrgenommen werden, was im System noch gespeichert ist. Der Gedanke wird als Stress im Nervensystem erkannt , und indem das Nicht-Reagieren, und das Nicht-Ausdrücken der eigenen Gefühle geübt wird, lösen sich Schritt für Schritt die Spannungen auf, welche als Ergebnis unserer früheren Taten und Gedanken in unserem Nervensystem immer noch gespeichert sind.
Das körperliche System hat jede Menge Traumata und Schmerz angesammelt. Es ist sehr anspruchsvoll, in jede Ecke hinzuschauen - aber die Gnade ist gnadenlos. Sie beleuchtet alles, und wenn der Mensch nicht alle seine Anhaftungen hingegeben hat, wird es ihm nicht möglich, dauerhaft im absoluten Sein zu verweilen.
Es darf alles umgewandelt, ausgespült und veredelt werden, was sich im Nervensystem als Spannung zeigt. Und darin liegen die großen Geschenke der Zeit nach dem Erwachen. Alles muss gehen, diese Reinheit lässt keine Beschmutzung mehr zu.
Jegliche Eindrücke, welche der Geist angesammelt hat - alles, was im Geiste noch einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat - muss gehen. Alle Eindrücke persönlicher Art, Eindrücke aus dem Kollektiv-Bewusstsein, das ganze Leid, der ganze Welt-Schmerz, die ganze Geschichte der Menschheit wird aus den Zellen herausgespült. Ein intensiver Prozess, kein Eindruck wird ausgelassen, nichts bleibt erspart. Alle Zellen des Körpers werden komplett erneuert, durchtränkt und gesättigt durch die Seligkeit des absoluten Seins.
Der alchimistische Prozess der körperlichen Umwandlung stellt eine radikale Veränderung des Zellbewusstseins dar, und der Körper muss Hingabe lernen. Die mentale Herrschaft des Körpers wird durch die spirituelle Herrschaft ersetzt.
Das Verstehen geschieht in jeder Zelle des Körpers, es ist kein mentaler Vorgang. Das Sein ist ein tiefes inneres Wissen, welches in jeder Zelle des Körpers schwingt. Es ist kein mentales Wissen, wie der Mensch es kennt. Dieses Wissen ist im Körper, in jeder Zelle verankert. Jede Zelle kennt die Wahrheit. Sie weiß, wie man das Leben in Harmonie lebt, sie kennt die kosmischen Gesetze. Nach dieser Verwandlung fühlt sich der Körper nicht mehr grob an, sondern sehr fein, sanft, ätherisch-durchlässig, durchströmt von der Kraft der Feinheit der eigenen transzendentalen Natur. Eine permanente Präsenz - ein offenes, reines, sanftes Herz, dessen zarte Vibrationen und Wellen sich von Kopf bis Fuß innen und außen ausbreiten.
Der Zustand des Seins dieser Reinheit und Sanftheit ist mit Worten nicht zu beschreiben und macht sich auch für die Menschen der Umgebung stark bemerkbar. Je mehr Spannung wir loslassen, je mehr verkörpern wir in diesem sich entfaltenden Prozess die Göttlichkeit, je reiner und klarer wird die Ausstrahlung. Je mehr von körperlichem Ballast abgeworfen wird, umso besser kann man die anderen mitnehmen. Und so hängt die eigene Entwicklung direkt mit der Entwicklung der Gruppe zusammen.   

 

 

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In der weiteren Entwicklung wird immer deutlicher, dass der Mensch erst dann selbstverwirklicht und somit göttlich funktionieren kann, wenn er all seine Bindungen zu Menschen und zur Erde aufgegeben hat. Persönliche Neigungen und Einstellungen müssen Schritt für Schritt aufgegeben werden, und eine Neutralität stellt sich ein, aus dem Verständnis heraus, dass alles ein Ausdruck des Lebens in seiner Totalität ist, in dem das Gute ohne das Böse nicht existieren kann, genauso wenig das Schöne ohne das Hässliche.

Nach dem Resonanzgesetz folgt das Körper-Geist-System seiner Bestimmung - der Wahrheit - und somit geschieht früher oder später zwangsläufig eine Trennung von allem und jedem, was der Schwingung der Wahrheit nicht entspricht. Denn nur das Leben nach dem Naturgesetz in der vollkommenen Hingabe an das absolute ewige Sein, an das eigene Selbst, kann zur endgültigen absoluten Freiheit, jenseits von Freiheit und Unfreiheit, führen.

Die absolute Freiheit, die der Mensch anstrebt, liegt in der Akzeptanz des Augenblicks oder besser gesagt in der vollkommenen Hingabe an das Leben, in dem alles gleich-gültig wird, so wie es kommt. Nur so gelangt er zur endgültigen Freiheit. Das bedeutet das Aufgeben aller Wünsche, Konzepte und Vorstellungen. Die Glückseligkeit stellt sich ein, wenn der Mensch alle Wünsche vollkommen abstreift, wenn er im Selbst erfüllt ist, durch das Selbst allein.

Lehren findet nicht als Lehre statt, sondern als Begegnung unterschiedlicher Energiesysteme, welche aufeinander reagieren. Alles ereignet sich aus der Stille, aus der Tiefe des Seins, aus dem Augenblick heraus, völlig unvorbereitet in der Beobachtung dessen, was der gegenwärtige Moment entfaltet. Kein Lehrer, kein Schüler, nur die Wonne des Seins. Stille, die nährend und sättigend ist. Stille des Herzens, Geborgenheit, das reine und wahre Wohlwollen Gottes, tiefer Friede. Der Augenblick hat solch eine Schönheit und Intensität, dass Sprache und Worte hier als pure Grausamkeit erscheinen.

Nachdem anfangs alles gesagt worden war, fand die Lehre jahrelang in der Stille statt, durch den Blick der Gnade, wodurch das menschliche System gereinigt und transformiert wurde. Da für einige diese Energie zu mächtig war, hat man um den Einsatz der Sprache gebeten. Wieder andere baten um verbale Unterstützung und Begleitung in ihren Prozessen.
Das Lehren geschieht oft in der Stille, denn dort ist es am kraftvollsten. Der Ausdruck der Stille und die Wahrnehmung der eigenen Essenz sind so stark, dass keiner nach diesem Erlebnis freiwillig zur Sprache zurückkehren möchte. Stille als Sprache des Göttlichen, die Klarheit der Wahrnehmung, ein tiefes Gefühl von Reinheit, Verstehen in jeder Zelle durch den ganzen Körper.

In den Begegnungen wird die Vertiefung unter anderem dadurch zum Ausdruck gebracht, dass man sich komplett zur Verfügung stellt, körperlich voll und ganz. Dies bedeutet, sich aus Nächstenliebe für den anderen völlig aufzugeben und die gesamten Belastungen, die gesamte Negativität des Gegenübers körperlich auf sich zu nehmen. In dem Ein-Verständnis, dass man sämtliche Negativität und Fremdenergie ganz bewusst auf sich nimmt und sein Gegenüber in den eigenen Körper völlig entladen lässt. Das ganze Leid und die Belastungen werden durch das Licht absorbiert und in höhere Energie umgewandelt. Auch werden diese belastenden Energien durch das eigene System angezogen, aufgenommen und gefiltert, damit sie dann zu dem Menschen und der Gruppe frisch gereinigt zurückfließen können.

 

 

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Es geschieht kein Arbeiten auf Augenhöhe, sondern, wenn man es so ausdrücken kann: „unterhalb der Augenhöhe“, da die Position der absoluten Hingabe an das Höchste und des Dienens gegenüber dem anderen eingenommen wird. Das Begegnen unterhalb der Augenhöhe symbolisiert eine Geste der Wertschätzung und Hochachtung vor dem Göttlichen im Menschen; das Mitgefühl, gemeinsam mit ihm in seinem Schmerz und Leid zu sein. Es drückt die Liebe aus, welche ihn bedingungslos liebt und annimmt. Bei den meisten löst allein diese Haltung die Offenbarung eines tiefen Schmerzes des Nicht-angenommen-seins aus, welcher geheilt werden darf. Gleichzeitig wird der Trennungsschmerz wahrgenommen, der Schmerz des Getrenntseins von der Liebe, die man sein ganzes Leben lang gesucht hat.  

Das relative Leben, wie es sich auf der Grundlage des absoluten ewigen Seins ausdrückt, ist eine Einladung für den Menschen, an seinen inneren Prozessen teilzunehmen und zu lernen. Ergriffen durch das Sein, mitgerissen in seine eigenen Tiefen, wird der Mensch geschliffen wie ein Diamant. Jede Situation, jeder Moment, alles in seinem Leben bietet ihm die Gelegenheit und das Potential zu Hingabe und Wachstum, um ihn in seine innere Freiheit zu führen.
Eingetaucht im Sein und vom Sein durchdrungen handelt man dem Impuls folgend zum Wohle aller Beteiligten. Das Handeln ist absichtslos und geschieht als Antwort auf äußere Impulse. Die Dinge werden nicht in Gang gesetzt, das Handeln wird als Nicht-Handeln erlebt, spielerisch, unwichtig, was die Resultate des Handelns betrifft.  

Im Sein geschieht die Freiheit von der Welt, wenn die Gebundenheit an die Welt der Formen wegfällt. Die Wahrnehmung der Sinne wird intensiviert, da sie vom reinen Sein durchtränkt ist. Die Liebe, Güte, Stille, Reinheit nehmen immer mehr zu, da sie dem innersten Wesen entsprechen. Der innere Friede stellt sich ein, wenn man die Perfektion des Universums mit seinen Naturgesetzen begreift, wenn das Vertrauen da ist, dass alles so sein soll, wie es ist, da es niemals einen persönlich Handelnden gab.
Die Freiheit, die der Mensch sucht, ist das Eins-Sein in seinem Geiste, die Erfüllung in sich Selbst. Wenn der Geist im Sein eingetaucht ist und die Freude und den unendlichen Frieden der eigenen, ewigen Natur erfährt, bindet er sich nicht mehr an Objekte und sucht nicht nach einer Erfüllung im Äußeren.
Je mehr das Nervensystem gereinigt ist, umso mehr spiegelt sich das Sein in ihm wider. Eingetaucht in seine absolute unvergängliche Natur wird der individuelle Geist schrittweise transzendiert bis zum vollkommenen Sein, zum absoluten ewigen Sein, der Grundlage von allem, zur höchsten und letzten Wirklichkeit, verborgen in sich Selbst.